Literaturmagazin

Am 24. Januar 2011, vor ziemlich genau zehn Jahren, gründeten Daniel Kissling, Lukas Gloor und René Frauchiger den «Narrativistischen Verein» mit dem Ziel ein Literatur-Magazin herauszubringen. Ob drei Deutsch-Studenten aus dem Schweizer Mittelland wirklich eine Zeitschrift auf die Beine stellen könnten, war natürlich fraglich. Auch ob das irgendjemand Lesen wollte… Zumindest hatten wir im Februar 2011 bereits unser erstes Logo (hier im Bild), gestaltet von Valeria Moser. Und bald schickten wir, unseren ersten Textaufruf hinaus in die Welt: «Am 25. Juni erscheint die erste Nummer von Narr - das narrativistische Literaturmagazin. Eine Zeitschrift, die sich ausschliesslich ums Schreiben und Erzählen dreht. Dafür brauchen wir Unmengen Text. Hast Du Erzählungen, Gedichte, Anekdoten, Epen, Bedienungsanleitungen oder Szenisches in Deinen Schubladen liegen? Wir suchen literarische Texte aller Art, nicht länger als 8000 Zeichen. Gattung, Thema und Stil sind offen.» Ja, es war eine verrückte Idee, aber 's hat funktioniert.

Skurrile Literatur

Vor ein paar Jahren versuchte ich ins #guinessworldrecord zu kommen. Mit dem längsten gedruckten, sinnvollen deutschen Wort. In der Geschichte, die ich dafür schrieb, verschmolz eine Ziege mit einem Krokodil zu einer Krokodilziege, bald verschmolzen weitere Wesen, die Wörter wurden länger und länger, bis ich kurz vor Schluss das Wort hinschreiben konnte: Krokodilziegenangstlegitimitätganzbezweiflervereinspräsidentenkrokodilziegenangstganzganzverfechterkommissionspräsidentengehege. Nicht gerade eine Schönheit, aber lang ist es unbestritten. Ein Wort mit hundertsiebenundzwanzig Buchstaben. Die Geschichte wurde in der Narrgenda 2014 geruckt, und das Krokodilziegen-Wort hätte die besten Voraussetzungen gehabt ins Guinness-Buch zu kommen. Doch kurz vor der Veröffentlichung erhielt ich eine Mail von Guinness: «Unfortunately, we do already have a record for this category and what you have achieved does not better this.» Ja. So steht bis heute im Guinness-Buch, das längste deutsche Wort sei Donaudampfschifffahrtselektrizitätenhauptbetriebswerkbauunterbeamtengesellschaft, obwohl das mickrige Wort gerade mal achtzig Buchstaben lang ist! Ein bisschen konnte ich die Iren verstehen, schließlich ist es nicht schwer im Deutschen verschiedene Wörter zu einem längeren zusammenzusetzen. Mein Rekord wäre sicher im nächsten Jahr von einem längerem Wort gebrochen worden, das ein Jahr später durch ein noch längeres abgelöst worden wäre, bis die Wörter so lang geworden wären, dass sie mehrere Seiten gefüllt hätten, und die Kategorie «Längstes Wort» den Großteil des Guinness-Buches hätte einnehmen müssen. Wo wäre das Ende? Wäre jemand auf die Idee gekommen, einen ganzen Roman aus einem Wort zu schreiben? Wie Figuren im Verlauf des Wortes eingeführt werden, sich entwickeln, wie Spannung entsteht über die Seiten, nur in dem einen Wort. Hier hätte die deutsche Literatur etwas erschaffen können, was einmalig ist. Ich sag nur: #einwortroman Welchen Nutzen für die Literatur … die Welt wäre eine bessere gewesen … und ja, zugegeben ... es wäre schon sehr toll im Guinness-Buch zu stehen, wenn auch nur für ein Jahr.

Wohl die normalste Geschichte, die ich je geschrieben habe. Und ja, es geht um diese kleinen Tiere, die in unseren Handys wohnen: «Xander hörte ein Klacken vom Handy her, als das Glas endlich zersprang. Zwischen den Fäden schauten nun kleine Finger heraus, Händchen, ein Kopf schob sich zwischen den Fäden durch und ein kleiner Körper platschte auf die Tischplatte, die Beine noch immer im Handygehäuse. Das Wesen war beharrt, der Kopf zu gross, die Augen waren riesig und schauten Xander traurig an. Aus seinem Handy war gerade ein Junges geschlüpft.» (Die Nacht der Handymonster.)

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